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Getränke im fokus: so flüssig war der Sommer 2019
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Getränke im fokus: so flüssig war der Sommer 2019

Kunden wenden sich oftmals mit sehr konkreten Fragen an uns – meistens geht es um die  Entwicklung einer bestimmten Produktrange und den Vergleich zur Performance des Mitbewerbers.

Um solche Detailfragen umfassend zu beantworten, ist es wichtig zu verstehen, was auf dem Markt überhaupt passiert und inwiefern diese Geschehnisse die Performance meiner Produkte beeinflussen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Getränke-Kategorie, wo es Sinn macht mit folgenden Fragestellungen zu starten: 1) hat das Wetter einen Einfluss auf den Absatz gehabt, 2) wie entwickeln sich alkoholfreie Getränke und 3) wie sieht es mit dem Trend zu zuckerreduzierten Getränken aus. Solche Trends zu identifizieren und in ihrer Wirkung auf den Markt zu verstehen, ist Voraussetzung um die strategisch wichtigen und richtigen Entscheidungen zu treffen.

Im folgenden haben wir für Sie die wichtigsten Entwicklungen und Trends in der Getränke-Kategorie nach einem im Vorjahresvergleich relativ kurzen und weniger heißen Sommer zusammengefasst.

KÜHLERE SOMMERMONATE SORGEN FÜR ABKÜHLUNG BEI GETRÄNKEN

Vergleicht man die Umsätze in der Getränke-Kategorie mit jenen des Vorjahres, wird der Einfluss des Wetters auf diesen Bereich offenbar: Nach dem überlangen Sommer 2018 startete das Jahr 2019 deutlich verhaltener in die warme Jahreszeit: der kalte Mai (KW 18-22) sorgte im Vergleich zum sehr warmen Vorjahres-Mai für ein Umsatzminus von 7,5 % bei Alkoholfreien Getränken im Lebensmittelhandel inkl. Hofer/Lidl. Mineralwasser, das umsatzmäßig für gewöhnlich stark von heißen Tagen profitiert, trägt zu diesem Minus am stärksten bei. Auch die meisten anderen AF-Warengruppen sind  aufgrund der niedrigeren Temperaturen deutlich rückläufig. Ebenso alkoholische Getränke, allen voran Bier, leiden unter dem kalten Mai. Der Bier-Umsatz geht in diesem Monat um 7,3 % zurück, und auch Schaumwein verliert über Frizzante.

Das heiße Wetter während des meteorologischen Sommers (Juni bis August, KW 23-35) führt Alkoholfreie Getränke zurück zum Umsatzwachstum. Der Umsatz steigt in diesem Zeitraum um +4% bei stagnierender Menge. In Juni und Juli ist die Entwicklung der Getränke besonders gut, während im August der Umsatz rückläufig ist: Dies liegt vor allem an dem Vergleichszeitraum, da im Vorjahr der August das bei weitem stärkste Monat war.

Mineralwasser versus Wassersprudler?

Mineralwasser bleibt weiterhin stark unter Druck und verliert trotz des warmen Wetters selbst im Hochsommer Menge. Hauptursache für die Entwicklung dürfte an boomenden Wassersprudlern wie z. B. Sodastream liegen. Allein die im Lebensmittelhandel inkl. Hofer/Lidl zusätzlich verkauften Zylinder decken zwei Drittel des Mineralwasser-Minus ab.

WENIGER IST MEHR BEI ENERGY UND SOFT DRINKS

Generell im Trend liegen Energy Drinks, deren Entwicklung selbst der kalte Mai nicht geschadet hat. Auch Cola-Limonaden entwickeln sich deutlich positiv. In beiden Segmenten verzeichnet das Light Segment deutlich überproportionale Zuwächse. Bei Alkoholfreien Getränken auf Teebasis ist der Light-Trend 2019 ebenfalls angekommen: im Bereich Übr. Teebasis Getränke sind bereits seit längerem Produkte im Trend, die komplett ohne Zucker und ohne Süßstoffe auskommen. Dieses Jahr wurde auch im Eistee-Bereich das ‚Zero Zucker‘ Konzept erfolgreich aufgegriffen.

Trends: Gin und alkoholfreie Alkoholika

Bei alkoholischen Getränken bleibt Gin die am stärksten wachsende Warengruppe. Auch Wermut (Lillet!) & Pemixers (klassische Alkopops und Ready to Drink Gin Tonic) zeigen zweistelliges Wachstum im Sommer. Bei Schaumwein geht der Trend zu Sekt während Frizzante massiv unter dem kalten Mai leidet –  drei Viertel des Umsatzminus kommen im auflaufendem Jahr aus den Mai-Wochen.

Im Gegensatz dazu sorgen ‚alkoholfreie‘ alkoholische Getränke für positive Impulse. Das größte Segment ist alkoholfreies Bier, dessen Wachstum vor allem durch alkoholfreie Radler (Innovationen!) getrieben wird. Aber auch alkoholfreier Sekt und sogar alkoholfreier Wein entwickeln sich deutlich überproportional zur jeweiligen Kategorie.

Was geschieht als nächstes bei den Getränken?

Wie können Hersteller nun diese Top-line Trends mit ihren Strategien verknüpfen?

  1. Auch wenn sich das Wetter auf lange Sicht nur schwer vorhersagen lässt, hilft auch hier ein genauer Blick in die Daten um Entwicklungen zu verstehen und Treiber zu identifizieren. Gerade bei wetter-sensiblen Kategorien wie Bier und Mineralwasser macht es Sinn, hier Analysen auf Basis tatsächlicher Aufzeichnungen anzustellen, anstelle allein der subjektiven Wahrnehmung zu vertrauen.

  2. Sowohl Mineralwasser- als auch Soft Drinks Hersteller sollten sich über den möglichen Einfluss von Wassersprudlern auf ihren Märkten bewusst sein. Da das Thema Nachhaltigkeit für viele Shopper in Österreich eine Rolle spielt, wird der Ruf nach umweltfreundlichen Alternativen zu herkömmlichen Verpackungen immer lauter. Wer hier seinen Kunden gute Lösungen bietet, ist auch im Kampf um Marktanteile gewappnet.

  3. Energy Drinks und Cola-Limonaden zeigen vor, wie mit zuckerreduzierten Getränken Wachstum erzielt werden kann. Getränke-Hersteller können dies zum Anstoß nehmen um zu prüfen, ob eine Light-Variante in ihrem Portfolio das ist, was noch fehlt.

  4. Neben dem ungebrochenen Gin-Trend, ist vor allem das Wachstum der alkoholfreien Alkoholika eine spannende Entwicklung. Gerade durch Innovationen wie alkoholfreier Wein, Radler und Sekt eröffnen sich viele neue Möglichkeiten und somit auch neue Kundenschichten, die es zu gewinnen gilt.