COVID-19 führt zu einem Rückgang der Einkaufsakte aber zu grösseren Warenkörben der Schweizer Konsumenten
Bericht

COVID-19 führt zu einem Rückgang der Einkaufsakte aber zu grösseren Warenkörben der Schweizer Konsumenten

Von Philipp Berger, Senior Analytic Consultant

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Das Coronavirus hat zu einem veränderten Einkaufsverhalten der Schweizer Haushalte geführt. Dies ist in Bezug auf die eingekauften Produkte keine Überraschung. Hygieneartikel wie Handdesinfektion, Toilettenpapier etc. aber auch lang haltbare Lebensmittel (Kartoffelstock, Reis, Mehl etc.) wurden sehr stark nachgefragt. Dies führte zu Hamsterkäufen und zu leeren Regalen in den Geschäften. 

Welche Auswirkung hatte dies aber auch auf die Einkaufshäufigkeit und den Wert der Warenkörbe?

Am Tag als der Bundesrat die Situation als „außergewöhnliche Lage gemäss Epidemiengesetz“ eingestuft hat (16. März 2020), ist der durchschnittliche Wert des Einkaufskorbes in die Höhe geschnellt. Während an einem Montag in den Vorwochen (KW 02-08/2020) der Wert bei ca. 35 CHF lag, haben die Schweizer Haushalte am 16. März im Schnitt knapp 50 CHF pro Einkaufstrip ausgegeben! Das ist ein Plus von fast 45%.

Auch die Wocheneinkäufe, beispielsweise am Freitag, haben massiv an Wert zugenommen. Gaben Herr und Frau Schweizer in den ersten Wochen des Jahres, als das Coronavirus noch weit weg zu sein schien, im Schnitt 50 CHF für einen Einkaufstrip (Freitag) aus, ist dieser Wert in den letzten beiden Wochen um über 30% auf 65 CHF gestiegen.


Es hat also ein klarer Trend zu Gross- resp. Vorratseinkäufen (Big Trolley) eingesetzt. Die Bewohner der Schweiz werden in der aktuellen Zeit angehalten, das Haus nur zu verlassen, wenn es wirklich nötig ist. In der Entwicklung der Einkaufshäufigkeit lässt sich sehr gut ablesen, dass sie dies in Bezug auf die Einkäufe einhalten. In den letzten beiden Wochen haben wir in unserem Haushaltspanel vor allem am Samstag viel weniger Einkaufsakte registriert, als dies zu Beginn des Jahres noch der Fall war. Es schien, dass viele Haushalte dem typischen „Grosseinkaufs-Tag“ aus dem Weg gehen wollten. Gerade in der Woche 12 zeigt sich, dass sich die Einkaufsakte viel stärker auf die gesamte Woche verteilt haben. In der darauffolgenden Woche 13 hat sich dieser Trend zwar wieder etwas gelegt. Dennoch ist der Rückgang der Einkaufsakte am Samstag noch immer klar sichtbar.

Anzahl Einkaufsakte

Wie nachhaltig ist das veränderte Einkaufsverhalten?

Für Produzenten wie auch für die Retailer wird es wichtig sein, das aktuell veränderte Einkaufsverhalten auch nach der Corona-Krise weiter sehr genau zu verfolgen. Wenn sich die Haushalte auch in Zukunft an anderen Tagen als typischerweise Freitag und Samstag mit ihren Grosseinkäufen eindecken, wird dies einen Einfluss u.a. auf die Logistik haben. Um der Nachfrage gerecht zu werden und Out-of-Stocks zu vermeiden, muss der “Nachschub” neu angepasst werden. Vielleicht gibt es dadurch auch neue Möglichkeiten, Aktionen zu gestalten und zu planen, da der Montag beispielsweise zu einem wichtigen Einkaufstag geworden ist.