Pressemeldung

Schweizer fürchten steigende Lebensmittelpreise

  • Die Hälfte der Verbraucher kann Preissteigerungen nur mit Budgetkürzungen in anderen Bereichen kompensieren
  • Mehrkosten für Fleisch, Gemüse und Co. treiben Käufer in ganz Europa in die Discounter

Root Längenbold, 30. Oktober 2013 – Es ist schon ein Widerspruch: Den Schweizer Verbrauchern geht es im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn sehr gut. Die überwiegende Mehrheit gibt an, im vergangenen Jahr sehr komfortabel gelebt zu haben und sich auch finanziell viele Dinge gegönnt zu haben, die über den täglichen Bedarf hinausgehen. Das Lohnniveau der Schweiz nimmt europaweit eine Spitzenposition ein. Trotzdem stehen die Schweizer steigenden Lebensmittelpreisen skeptisch gegenüber und geben an, diese nur mit starken Einschnitten in ihrem Haushaltsbudget kompensieren zu können. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Online-Umfrage von Nielsen, einem führenden Anbieter von Informationen zu Medien- und Konsumverhalten von Verbrauchern. Demnach fürchtet mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Schweizer, auf ihren gewohnten Lebensstandard verzichten zu müssen, um höhere Preise bei Brot, Gemüse und Co. aufzufangen. Mit dieser Einschätzung beurteilen sie die Steigung der Lebensmittelpreise viel pessimistischer als ihre europäischen Nachbarn. Die krisengebeutelten Griechen etwa reagieren sehr gelassen auf steigende Lebensmittelpreise. Hier geben nur 13 Prozent der Befragten an, bei höheren Lebensmittelpreisen auf Konsum in anderen Bereichen verzichten zu müssen.

Was ungewöhnlich scheint, ist der Erfahrung von Nielsen nach ein ganz normales Phänomen: „Das reale Einkommen ist bei der Beurteilung der eigenen Kaufkraft nicht allein ausschlaggebend. Unterschiedliche Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung der Konsumenten“, erläutert Andreas Leisi, Geschäftsführer von Nielsen Alpine. Dies kann ein von den Medien suggeriertes Bild des „Normalen“ ebenso sein wie der neidische Blick auf den Nachbarn, der sich scheinbar das grössere Auto oder den luxuriöseren Urlaub leisten kann. Ebenso können Verlustängste, auch wenn sie von aussen unbegründet scheinen, eine Rolle spielen. Entsprechend lässt sich das Kaufverhalten von Verbrauchern nicht ausschliesslich am Einkommen festmachen – einem bei Werbetreibenden beliebten Parameter.

Fleisch, Gemüse und Co. kosten nur wenig mehr

Im Gegensatz zu ihren europäischen Nachbarn müssen die Schweizer allerdings aktuell nur leichte Steigerungen bei Lebensmittelpreisen hinnehmen. Dies zeigt die Nielsen Growth Reporter-Studie von 2013, in der Marktdaten von 21 europäischen Ländern untersucht wurden. Zu Jahresanfang verteuerten sich die Lebensmittel um rund 1,6 Prozent, während der Preisanstieg sich im weiteren Verlauf des Jahres mit nur 0,4 Prozent auf sehr niedrigem Niveau bewegte. Europaweit lag der Durchschnitt im zweiten Quartal bei 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Der weiterhin starke Schweizer Franken spielt den Verbrauchern hier in die Hände“, erklärt Andreas Leisi. „Waren können im Euroraum immer noch vergleichsweise günstig erworben werden.“ Das nutzen die Schweizer Einkäufer, die insbesondere in den Grenzgebieten zu Shoppingtouren in den benachbarten Euroraum fahren. Trotz des sogenannten Shoppingtourismus verzeichnen aber auch die Schweizer Händler immer noch ein leichtes Plus bei der Menge der verkauften Waren.

Verbraucher in ganz Europa kaufen verstärkt bei grossen Handelsketten

Als Konsequenz des massiven Preisdrucks bei Lebensmitteln kauften die Verbraucher im restlichen Europa im zweiten Quartal 2013 insgesamt weniger Waren. Somit ist genau das eingetreten, was sich in der Online-Umfrage von Nielsen schon angedeutet hatte: Die steigenden Lebensmittelpreise wirken sich in vielfacher Hinsicht auf das Einkaufsverhalten der Verbraucher aus. Demnach ist auf die gesamte EU gesehen insbesondere damit zu rechnen, dass die Inflation Konsumenten aus den kleinen lokalen Läden in die grossen Ketten treibt: 38 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, weniger Produkte in Lebensmittelläden und anderen kleineren Geschäften um die Ecke einkaufen zu wollen.

Sollten auch in der Schweiz die Preise von Lebensmitteln steigen, wollen die Eidgenossen ähnlich reagieren und ebenfalls verstärkt bei Discountern ihren Bedarf decken (32 Prozent). Auch hier würden kleine Läden und Fachgeschäfte Käufer verlieren. Um die höheren Kosten für die Waren des täglichen Bedarfs zu kompensieren, würden die Schweizer noch stärker auf Sonderangebote achten, Hamsterkäufe tätigen oder sich im Internet über Schnäppchen informieren. Am leichtesten fällt vielen Befragten der Verzicht auf Süssigkeiten (63 Prozent) sowie Chips und Knabbereien (59 Prozent), aber auch bei Bio-Produkten wollen 38 Prozent den Rotstift ansetzen.

Den vollständigen internationalen Report zur Studie können Sie kostenfrei anfordern über Annika.Zimmermann@nielsen.com

Über die Online-Umfrage von Nielsen

Die Online-Umfrage von Nielsen zum Verbraucherverhalten angesichts steigender Lebensmittelkosten fand zwischen dem 17. Februar und 8. März 2013 statt. Dabei hat Nielsen mehr als 29.000 regelmässige Internetnutzer in 58 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika befragt – in der Schweiz waren es 500 Personen. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht für jedes Land basierend auf den jeweiligen Internetnutzern quotiert und gewichtet. Sie repräsentiert damit die Internetnutzer des Landes und hat eine maximale Abweichung von ±0,6 %. Diese Nielsen Onlineumfrage basiert ausschliesslich auf dem Verhalten von Befragten mit Internetzugang. Die Internetverbreitung variiert je nach Land. Damit ein Land in die Umfrage aufgenommen wird, setzt Nielsen voraus, dass mindestens 60 Prozent der Bevölkerung oder zehn Millionen Menschen Internetzugang haben. Die Nielsen Global Survey, die auch die globale Umfrage zum Verbrauchervertrauen beinhaltet, wird seit 2005 kontinuierlich durchgeführt.

Über den Nielsen Growth Reporter

Der Nielsen Growth Reporter vergleicht die Marktentwicklung (Nominalwert und Einheiten) im FMCG-Sektor in ganz Europa. Er basiert auf den Umsatzdaten, die Nielsen in 21 europäischen Märkten erhebt und deckt die Umsätze der Vertriebslinien Lebensmittel, Hypermarkt, Supermarkt, Discounter und Convenience ab. Er basiert auf dem grösstmöglichen Warenkorb an Produktkategorien, den Nielsen in jedem dieser Länder und Vertriebslinien kontinuierlich verfolgt.

Über Nielsen

Nielsen Holdings N.V. (NYSE: NLSN) ist ein globales Informations- und Medienunternehmen mit führenden Marktpositionen in den Bereichen Marketing- und Verbraucherinformationen, Erhebung von Mediadaten im TV und anderen Medien sowie Online- und Mobile-Forschung. Das Unternehmen ist in mehr als 100 Ländern präsent, mit Hauptsitzen in New York, USA und Diemen, Niederlande. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.nielsen.com sowie zu Deutschland unter www.nielsen.com/de.

Medienkontakt:

Nele Bauer, Communications & Marketing DACH Nielsen Tel.: +49 (0) 40 / 23642-182
E-Mail: nele.bauer@nielsen.com