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Andauernder Lockdown: Viele Europäer erwarten, dass die Auswirkungen von COVID-19 noch ein weiteres Jahr andauern werden
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Andauernder Lockdown: Viele Europäer erwarten, dass die Auswirkungen von COVID-19 noch ein weiteres Jahr andauern werden

Die europäischen Verbraucher sind unterschiedlicher Meinung darüber, wie lange die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus (COVID-19) in Europa noch spürbar sein werden. So sind die Konsumenten in Griechenland, Russland, Frankreich und Spanien optimistischer, dass sich in weniger als drei Monaten wieder eine Normalität und ein Gleichgewicht einstellen werden. Die Verbraucher in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, der Türkei und Irland sind diesbezüglich skeptischer. Diese Ergebnisse stammen aus einer aktuellen Nielsen-Umfrage unter Verbrauchern aus 29 europäischen Ländern. Im Rahmen der Studie wurde u.a. auch gefragt, wie lange die Corona-Krise nach Meinung der Verbraucher noch andauern wird. Die Mehrheit der Europäer ist dabei der Ansicht, dass die Auswirkungen von COVID-19 auch in den nächsten 12 Monaten noch spürbar sein werden. Dies deutet darauf hin, dass auch einige der wesentlichen Änderungen, die sich im Verbraucher- und Einzelhandels-Umfeld beobachtet lassen, in den kommenden 12 Monaten noch anhalten werden.

COVID-19 verändert das tägliche Leben der Menschen. Wie viele dieser neuen Verhaltensweisen werden auch zukünftig bleiben? So überdenkt die Mehrheit der Verbraucher in Polen, Italien, Frankreich und Irland beispielsweise die Notwendigkeit und Häufigkeit von Supermarktbesuchen und erwägt – sofern verfügbar – vermehrt Online-Alternativen. Dieser durch COVID-19 herbeigeführte Stimmungswandel bedeutet, dass Einzelhändler und Hersteller ihre Prioritäten möglicherweise erheblich anpassen oder neu ausrichten müssen – dies kann alle Bereiche betreffen, von der Preisgestaltung zu Promotion-Aktivitäten oder Ladenformaten.

VERBRAUCHER KÖNNTEN ZU GEWOHNHEITSMäSSIGEREN ONLINE-KÄUFERN WERDEN

Verbraucher in ganz Europa gehen weniger häufig in Supermärkte als vor der Pandemie. Konsumenten in Polen, Italien und Frankreich überdenken die Notwendigkeit und die Häufigkeit von Supermarktbesuchen und ziehen in Erwägung, häufiger auf Online-Alternativen zurückzugreifen, sofern diese verfügbar sind.

Vor dem COVID-19-Ausbruch standen einige europäische Länder dem Online-Shopping wenig aufgeschlossen gegenüber. Die Marktdurchdringung beim Online-Einkauf von Lebensmitteln war niedrig: Weniger als einer von fünf westeuropäischen Verbrauchern und weniger als einer von zehn osteuropäischen Verbrauchern hat jemals einen Online-Dienst genutzt. Doch die neuen, durch COVID-19 ausgelösten Verhaltensweisen, die durch die Quarantäne und das “Social Distancing” noch beschleunigt wurden, bringen eine Änderung der Einkaufsgewohnheiten mit sich, die zu einem Wachstum der Online-Verkäufe führt.

So hat der Online Lebensmitteleinkauf in Italien und Frankreich während der Corona-Krise massiv zugenommen. Verbraucher beider Länder geben an, dass sie deutlich weniger in Supermärkten einkaufen. Im Gegensatz zu diesen Märkten haben es die Verbraucher in Deutschland, das von Hard-Discountern dominiert wird, die wenig bis gar keine Online Shopping Optionen anbieten, weitgehend geschafft, ihr gewohntes Einkaufsverhalten in den Geschäften beizubehalten.

Neben den Herausforderungen dieser beispiellosen Verbrauchernachfrage, die die E-Commerce-Lieferkapazitäten vieler Einzelhändler an ihre Grenzen bringt, zeigt der Wandel auch, wie bereitwillig die Verbraucher ihr Einkaufsverhalten anpassen, wenn Bedürfnisse und Vorteile übereinstimmen.

Da auswärts essen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist, krempeln auch immer mehr Verbraucher in der eigenen Küche die Ärmel hoch. Für fast die Hälfte der Konsumenten in Griechenland, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden war zu Hause essen bereits Normalität, sodass hier weniger Verbraucher ihre Gewohnheiten grundlegend ändern mussten. Die Konsumenten in der Türkei, Italien, Portugal und Spanien mussten sich hingegen mehr mehr an das Kochen und Essen zu Hause gewöhnen und durchlebten eine erhebliche Veränderung ihrer Ess- und auch Einkaufsgewohnheiten.

In Asien, wo viele Verbraucher einen stark ausgeprägten urbanen “on-the-go“-Lebensstil führen, hat ein großer Teil der Verbraucher den Außer-Haus-Konsum durch Take Away- und Liefer-Optionen ersetzt, als Quarantäne-Beschränkungen verhängt und Restaurants geschlossen wurden. Europa hingegen weist ein ganz anderes Muster auf. Nur sehr wenige europäische Verbraucher haben den Verzehr zu Hause durch Lieferdienste, Fertiggerichte oder Fastfood ersetzt; stattdessen setzten sie auf ihre eigenen Kochkünste.

Volle Speisekammern und Verbraucher, die zu Hause bleiben, bieten Herstellern und Einzelhändlern einige neue Möglichkeiten: Rezeptvorschläge und Mahlzeiten-Kits können dazu beitragen, die Verbraucher zu ermutigen, neue Gewohnheiten zu entwickeln. Und es ist sehr gut möglich, dass viele dieser neuen Gewohnheiten sich auch fest etablieren können. Viele Befragte der aktuellen Studie geben an, dass sie vorhaben, ihre Mahlzeiten auch zukünftig zu Hause vorzubereiten. In vielen europäischen Ländern steigt die Zahl der Verbraucher, die zu Hause kochen. Dies deutet darauf hin, dass dieser Trend auch in den kommenden Monaten für viele Menschen von zentraler Bedeutung sein wird.

Woher die europäischen Verbraucher ihre Zutaten nach COVID-19 beziehen, betrachtet man am besten auf lokaler Ebene. Es gibt merkliche Unterschiede zwischen den Ländern. Insbesondere in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Polen und Russland glaubt weniger als die Hälfte der Käufer, dass sie ihre alten Einkaufsgewohnheiten wieder aufnehmen.

Letztlich werden die Konsumenten zu einem gewissen Grad zu ihrem Leben “vor COVID-19” zurückkehren – jedoch mit neuen Elementen. So könnte beispielsweise das Arbeiten von zu Hause aus für einige zu einer neuen, natürlichen Option werden.

“Die Hersteller müssen das “zu Hause sein”, Hausarbeiten und das Kochen vereinfachen , um erweiterte, angenehme Erfahrungen zu schaffen. Je länger die COVID-19-Phase dauert, desto stärker werden sich neue Gewohnheiten etablieren. Das schafft viele neue Möglichkeiten – für diejenigen, die schnell agieren”, so Johan Sjostrand, President West, Central Europe and Pacific, Nielsen.

Methodik

Die Erkenntnisse in diesem Artikel sind Ausschnitte einer laufenden globalen Studie und spiegeln nur einzelne Aspekte einer größeren Anzahl an Themen wider (z.B. Online-Offline-Shopping, Reise- und Urlaubspläne usw.), die in der Studie behandelt werden.

Die Nielsen Studie COVID-19: Where consumers are heading? wurde zwischen dem 13. und 26. März 2020 in 18 europäischen Märkten durchgeführt. Die hervorgehobenen Ergebnisse sind nur ein Beispiel für einige der in die Gesamtstudie einbezogenen Märkte. Angesichts der dynamischen Veränderungen, die in den letzten Wochen eingetreten sind, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sich die Auswirkungen der COVID-19-Ereignisse je nach Markt unterschiedlich auf die Verbraucherstimmung auswirken werden.