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Job, Finanzen, Rezessionsangst: Deutsche schauen pessimistischer in die Zukunft – Abstand zum Europadurchschnitt sinkt
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Job, Finanzen, Rezessionsangst: Deutsche schauen pessimistischer in die Zukunft – Abstand zum Europadurchschnitt sinkt

Der Optimismus der deutschen Verbraucher ist gedämpft. Das zeigt der Nielsen Verbrauchervertrauensindex, der im vierten Quartal 2019 bei 102 Indexpunkten lag und damit im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um zwei Punkte gesunken ist. Auch wenn die Deutschen damit klar über dem europäischen Durchschnitt von 86 Punkten liegen, ist dieser Indexwert so niedrig wie seit dem dritten Quartal 2017 nicht mehr. Im europäischen Optimismus-Ranking verliert Deutschland im Quartalsvergleich drei Plätze und liegt auf Platz fünf. Im vierten Quartal 2019 blickten die Dänen (117 Punkte, – 1 Punkt), die Polen (106 Punkte, + 4 Punkte), die Niederländer (105 Punkte, + 2 Punkte) und die Tschechen (105 Punkte, + 2 Punkte) zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie zum Verbrauchervertrauen von The Conference Board® und Nielsen. Der Verbrauchervertrauensindex bildet die Einschätzung der Verbraucher zu ihren Job-Aussichten, ihrer persönlichen finanziellen Situation und ihrer Bereitschaft, Geld auszugeben, ab – immer mit Blick auf die kommenden zwölf Monate. Weltweit untersucht Nielsen seit 2005 das Verbrauchervertrauen in 64 Ländern.

Das Verbrauchervertrauen der Deutschen ist aktuell auf einen Zweijahrestiefstand gefallen. Zwar liegt es auf einem hohen Niveau, aber die Zeichen zeigen aktuell nach unten.

“Der Arbeitsmarkt, die Konjunktur und das Verbrauchervertrauen sind ein sensibles Geflecht. Es bleibt daher spannend, wie sich die optimistische Einstellung der Deutschen weiterentwickeln wird.“

JENS OHLIG, MANAGING DIRECTOR DACH

Joboptimismus und Kauflaune sind rückläufig

Denn war der Joboptimismus der Deutschen lange ungebrochen, war auch dieser im vierten Quartal 2019 leicht gedämpft. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate schätzten zu diesem Zeitpunkt gut 58 Prozent der Bundesbürger ihre Joblage als gut oder sehr gut ein. Das sind vier Prozentpunkte weniger als im vorherigen Quartal (Q3 2019: 62 %). Der Abstand zum europäischen Durchschnitt ist noch immer signifikant und beträgt rund 20 Prozent (Q4 2019: 38 %, + 1 %pkt.). Jedoch ist der Trend in die andere Richtung aktuell deutlich sichtbar.

Im Quartalsvergleich zeigen sich auch bei der Einschätzung der finanziellen Lage rückläufige Ergebnisse. Zum Ende des Jahres 2019 (Q4) bewerteten 57 Prozent der Deutschen ihre persönlichen Finanzen für die kommenden zwölf Monate als gut oder sehr gut und damit zwei Prozentpunkte weniger als im dritten Quartal 2019. Zum Vergleich: Das sagten im vierten Quartal 2019 fast 46 Prozent der Durchschnittseuropäer. Zudem hielten im vierten Quartal 2019 nur noch weniger als die Hälfte der Deutschen (Q4 2019: 48 %, – 6 %pkt.) und 36 Prozent der Durchschnittseuropäer (- 1,5 %pkt.) die kommenden zwölf Monate für einen guten Zeitpunkt, um Geld auszugeben.

Jeder vierte Deutsche rechnet mit Rezession

Fast jeder vierte Deutsche (Q4 2019: 24 %) gab im vierten Quartal 2019 an, dass er für die kommenden zwölf Monate eine wirtschaftliche Rezession erwartet.

„Die Deutschen rechnen durchaus mit wirtschaftlichen Veränderungen. Während im dritten Quartal 2019 gut jeder Fünfte schätzt, dass sich Deutschland in den kommenden Monaten in einer Rezession befinden wird, ist es im vierten Quartal 2019 schon fast jeder Vierte.”

JENS OHLIG, MANAGING DIRECTOR DACH

Dennoch ist beobachtbar, dass Ausgaben für Urlaub und Kleidung bei den Deutschen noch immer vor dem Sparen stehen.

So geben die Deutschen ihr Geld nach der Deckung ihrer Lebenskosten an erster Stelle für den Urlaub (Q4 2019: 44 %, – 3 %pkt.) und für Kleidung (Q4 2019: 41 %, – 9 %pkt.) aus, bevor sie ans Sparen denken (Q4 2019: 26 %, – 3 %pkt). Im europäischen Durchschnitt zeigt sich ein anderes Bild: Sparen (Q4 2019: 39 %) steht knapp vor den Ausgaben für Urlaub (Q4 2019: 37 %, – 1 %pkt.)  und Kleidung (Q4 2019: 37 %).

Über die Nielsen Global Survey

Der von The Conference Board® in Zusammenarbeit mit Nielsen durchgeführte Global Consumer Confidence Index über das Vertrauen der Konsumenten und ihre Einkaufsgewohnheiten wurde zuletzt im dritten Quartal 2019 durchgeführt.  Dabei wurden mehr als 32.000 regelmäßige Internetnutzer in 64 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika befragt. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht für jedes Land basierend auf den jeweiligen Internetnutzern quotiert und gewichtet. Sie repräsentiert damit die Internetnutzer des Landes und hat eine maximale Abweichung von ±0,6 Prozent. Diese Onlineumfrage basiert ausschließlich auf dem Verhalten von Befragten mit Internetzugang. Die Internetverbreitung variiert je nach Land. Damit ein Land in die Umfrage aufgenommen wird, setzt Nielsen voraus, dass mindestens 60 Prozent der Bevölkerung oder zehn Millionen Menschen Internetzugang haben. Der Verbrauchervertrauensindex für China wird in einer separaten Umfrage mit kombinierter Methodik unter 2.400 Befragten erhoben. Die Global Consumer Confidence Survey wird seit 2005 kontinuierlich durchgeführt.