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Viele Deutsche fühlen sich arm
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Viele Deutsche fühlen sich arm

Die Mehrheit der Deutschen gibt an, im vergangenen Jahr gerade genug Geld gehabt zu haben, um Unterkunft, Essen und das Lebensnotwendige zu finanzieren. Das ist das Ergebnis einer internationalen Online-Umfrage von Nielsen, einem führenden Anbieter von Informationen zu Medien- und Konsumverhalten von Verbrauchern. Nur 41 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer hatten dagegen das Gefühl, 2012 angenehm gelebt oder sogar vollkommen frei über Geld verfügt zu haben. Mit dieser Aussage beurteilen die Deutschen ihre Situation pessimistischer als die Bürger vieler anderer europäischer Länder, darunter etwa die krisengebeutelten Spanier und Griechen sowie die Briten. Beim Blick auf das Jahreseinkommen der Befragten stehen die Deutschen allerdings vergleichsweise gut da. In kaum einem anderen europäischen Land gaben prozentual so wenig Befragte an, weniger als 20.000 US-Dollar pro Jahr zu verdienen. Die gefühlte Wirklichkeit ist also oft eine andere als die Realität, die sich aus Zahlen ableiten lässt.

Was ungewöhnlich scheint, ist der Erfahrung von Nielsen nach ein ganz normales Phänomen:

„Das reale Einkommen ist bei der Beurteilung der eigenen Kaufkraft nicht allein ausschlaggebend. Unterschiedliche Faktoren beeinflussen die Wahrnehmung der Konsumenten“, erläutert Ingo Schier, Geschäftsführer von Nielsen Deutschland.

Dies kann ein von den Medien suggeriertes Bild des „Normalen“ ebenso sein wie der neidische Blick auf den Nachbarn, der sich scheinbar das größere Auto oder den luxuriöseren Urlaub leisten kann. Entsprechend lässt sich auch das Kaufverhalten von Verbrauchern nicht ausschließlich am Einkommen festmachen – einem bei Werbetreibenden beliebten Parameter. Die Online-Studie von Nielsen, die sich auf die Auswirkung steigender Lebensmittelpreise konzentriert, zeigt insbesondere: Das Kaufverhalten der Mittelschicht unterscheidet sich im Durchschnitt nicht dramatisch von dem ärmerer oder reicherer Bevölkerungsgruppen.

Sparstrategien der Deutschen

Angesichts steigender Lebensmittelpreise achten die Deutschen zunehmend auf Sonderangebote, neigen zu Hamsterkäufen und tendieren zu vergünstigten Waren nahe dem Verfallsdatum. Sie sind im europäischen Vergleich überdurchschnittlich offen für tendenziell günstigere Eigenmarken von Handelsketten und sparen bei Süßigkeiten, Snacks und Fertiggerichten.

Bei der Schnäppchenjagd auf Lebensmittel planen 33 Prozent der Deutschen, zunehmend bei Discountern einzukaufen oder auch in Ein-Euro-Shops – sofern diese Lebensmittel anbieten. Rund ein Viertel der Verbraucher wird seine Nahrungsmittel verstärkt online, über spezielle Deals in Social Media oder in großen Stückzahlen beziehen. Die Tendenz zu sparen wird voraussichtlich anhalten. Der Anstieg des Preises pro Einheit bei Lebensmitteln und anderen Konsumgütern lag zuletzt auf einer Rekordhöhe von 3,5 Prozent; so lautet ein Ergebnis der Nielsen Growth Reporter-Studie von 2013, in der Marktdaten von 21 europäischen Ländern untersucht wurden. Zieht man diesen statistischen Daten wieder die Gefühlslage der Deutschen hinzu, zeigt sich, dass allerdings fast die Hälfte (49 Prozent) ihre finanzielle Lage für die kommenden Monate als gut oder sehr gut beurteilt, so die Ergebnisse des letzten Verbrauchervertrauensindex‘ von Nielsen, aus denen sich perspektivisch positive Impulse für das Kaufverhalten ergeben können.

Aktuell spüren Unternehmen der Konsumgüterindustrie das Sparverhalten der Deutschen jedoch deutlich: Wuchs der Umsatz mit Konsumgütern im ersten Quartal 2013 nominal noch um 2,9 Prozent, brach er im Folgequartal zusammen. Das nominale Wachstum lag laut Nielsen Growth Reporter bei minus 0,3 Prozent und ist damit erstmals seit 2010 rückläufig.


Über die Online-Umfrage von Nielsen

Die Online-Umfrage von Nielsen zum Verbraucherverhalten angesichts steigender Lebensmittelkosten fand zwischen dem 17. Februar und 8. März 2013 statt. Dabei hat Nielsen mehr als 29.000 regelmäßige Internetnutzer in 58 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika befragt – in Deutschland waren es 533 Personen. Die Stichprobe ist nach Alter und Geschlecht für jedes Land basierend auf den jeweiligen Internetnutzern quotiert und gewichtet. Sie repräsentiert damit die Internetnutzer des Landes und hat eine maximale Abweichung von ±0,6 %. Diese Nielsen Onlineumfrage basiert ausschließlich auf dem Verhalten von Befragten mit Internetzugang. Die Internetverbreitung variiert je nach Land. Damit ein Land in die Umfrage aufgenommen wird, setzt Nielsen voraus, dass mindestens 60 Prozent der Bevölkerung oder zehn Millionen Menschen Internetzugang haben. Die Nielsen Global Survey, die auch die globale Umfrage zum Verbrauchervertrauen beinhaltet, wird seit 2005 kontinuierlich durchgeführt.

Über den Nielsen Growth Reporter

Der Nielsen Growth Reporter vergleicht die Marktentwicklung (Nominalwert und Einheiten) im FMCG-Sektor in ganz Europa. Er basiert auf den Umsatzdaten, die Nielsen in 21 europäischen Märkten erhebt und deckt die Umsätze der Vertriebslinien Lebensmittel, Hypermarkt, Supermarkt, Discounter und Convenience ab. Er basiert auf dem größtmöglichen Warenkorb an Produktkategorien, den Nielsen in jedem dieser Länder und Vertriebslinien kontinuierlich verfolgt.

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