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Die Auswirkungen von COVID-19 auf den Deutschen Handel
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Die Auswirkungen von COVID-19 auf den Deutschen Handel

Nielsen identifiziert 6 Phasen des Konsumentenverhaltens entlang der Ereigniskette rund um den Ausbruch des Coronavirus - Corona-bedingtes "Hamstern" vervielfacht Umsätze mit Grundnahrungsmitteln im deutschen Lebensmitteleinzelhandel

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus (COVID-19) bestimmt derzeit Wirtschaft, Medien und den Alltag der Bevölkerung. Aktuelle Nielsen-Analysen zeigen, welche Auswirkungen die weltweite Pandemie mittlerweile auf den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland hat.

NIELSEN IDENTIFIZIERT 6 PHASEN DER AUSWIRKUNGEN VON COVID-19 AUF DAS KONSUMENTENVERHALTEN

In einer internationalen Nielsen-Studie konnten sechs Phasen des Verbraucherverhaltens identifiziert werden, die in direktem Zusammenhang mit Schlüsselereignissen rund um den Ausbruch des Coronavirus stehen. Die Phasen zeigen früh Signale für eine Veränderung des Konsumentenverhaltens. In vielen Ländern weltweit ist ein ähnliches Muster beim Verbraucherverhalten zu erkennen: Es gibt einen Zusammenhang von COVID-19-Medienberichten und Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Pandemie mit einem veränderten Einkaufsverhalten für zahlreiche Produktgruppen wie Hygiene- und Gesundheitsprodukte, Pflegeprodukte und haltbare Lebensmittel.

Nachdem die Verbraucher in Phase eins zunächst proaktiv und gesundheitsbezogen eingekauft haben, greifen sie in Phase zwei verstärkt zu Produkten wie Atemmasken und Desinfektionsmitteln.

In Phase drei nehmen die Vorratskäufe von haltbaren Lebensmitteln sprunghaft zu.

Wenn sich die Verbraucher in Phase vier auf mögliche Ausgangssperren vorbereiten, steigt der Online-Kauf. Die Einkaufsfrequenz im stationären Handel nimmt leicht ab. In Deutschland, wo sich der Online-Kauf von Lebensmittel im Vergleich zu anderen Ländern generell auf niedrigem Niveau bewegt, lässt sich ebenfalls ein Anstieg von E-Commerce in dieser Phase beobachten, jedoch bleibt die Bedeutung des stationären Handels auf gleichem, hohen Niveau.

In Phase fünf – wenn Länder wie z.B. Italien auf Quarantäne setzen – nimmt die Bedeutung des Online-Handels wieder ab und Konsumenten machen sich Sorgen um die Warenversorgung.

Phase sechs stellt letztlich die Rückkehr zur Normalität dar.

Nielsen 6 Stages AT

Eine Zusammenfassung der internationalen Nielsen-Studie mit Entwicklungen in Ländern, die bereits frühzeitiger von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen waren, und weitere Hintergründe zu den sechs Phasen und ihre Merkmale finden Sie hier (in englischer Sprache).

RUN AUF DESINFEKTIONSMITTEL, FERTIGGERICHTE & CO: AUSWIRKUNGEN VON COVID-19 AUF DEN DEUTSCHEN HANDEL

Bei zahlreichen Warengruppen konnte bereits nach Bekanntgabe des ersten Corona-Falles in Deutschland Ende Januar ein sprunghafter Anstieg beim Absatz festgestellt werden. Dies galt besonders für Desinfektionsmittel, deren Abverkäufe sich in Folge zeitweise verfünffachten.

Nach Meldung weiterer Corona-Fälle in Nordrhein-Westfalen Ende Februar zogen Kategorien wie Konserven, Grundnahrungsmittel wie Mehl, aber auch salzige und süße Snacks nach.

Leere Regale boten ein gängiges Bild am ersten Wochenende im März. Brotmischungen, Mehl, Nudeln und Reis sowie Fertiggerichte und Konserven zählten in diesen Tagen zu den begehrtesten Warengruppen. Regionale Auffälligkeiten ließen sich hierbei nicht beobachten. Die Bevorratungseffekte zogen sich über die gesamte Bundesrepublik.

NIELSEN-ANALYSE ZEIGT AUSWIRKUNGEN VON CORONA AUF VERSCHIEDENE WARENGRUPPEN

Auswirkungen von COVID-19

Von der Nachfragespitze haben bis dato sowohl Marken als auch Eigenmarken profitiert. Konsumenten mussten angesichts der breiten Regalllücken teilweise auf Produkte ausweichen, die sie unter normalen Umständen nicht kaufen.

Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Grundnahrungsmitteln lässt sich bei Genussmitteln, wie z.B. bei Schokoladenwaren oder aber Spirituosen, nicht erkennen. Hier bewegt sich die Nachfrage weiter im Normalbereich.

WAS KOMMT NACH DEN HAMSTERKÄUFEN?

Die derzeit stattfinden Bevorratungskäufe füllen die Vorratskammern der deutschen Haushalte.  In vielen Fällen stellen die aktuellen Einkäufe wohl vorgezogene Einkäufe dar. Es bleibt abzuwarten, inwieweit diese Notvorräte in den kommenden Wochen aufgebraucht werden und als Konsequenz zunächst mit einem Rückgang der Nachfrage gerechnet werden muss.

SICHERHEITSDENKEN BEGÜNSTIGT PREMIUMPRODUKTE

Sehr wahrscheinlich aber werden sich die Verbraucher mehr Gewissheit darüber verschaffen wollen, dass die von ihnen gekauften Produkte risikofrei und qualitativ hochwertig sind, wenn es um Sicherheitsstandards und Wirksamkeit geht. Das gilt insbesondere für Reinigungs-, Desinfektions- und Lebensmittel.

DIE KRISE ALS CHANCE FÜR DEN ONLINE-LEBENSMITTELHANDEL?

Bisher fand der (Mehr-)Einkauf primär in stationären Geschäften statt.  Doch Hersteller und Einzelhändler sollten die Entwicklungen im Bereich E-Commerce besonders aufmerksam verfolgen. So hat die Sorge vor einer Pandemie in China und Australien eine neue Wachstumswelle für den Online-Lebensmittelhandel ausgelöst. Insbesondere nach den ersten stationären “out of stocks” werden sich auch deutsche Verbraucher in der Krisenzeit offener gegenüber Onlinebestellungen von Gütern des täglichen Bedarfs zeigen. Wenn es gelingt, Logistik und Lagerbestände aufrechtzuerhalten, könnte sich diese Krise somit als eine Chance für den E-Commerce-Bereich erweisen, langfristig mehr Kunden zu gewinnen.

Wie entwickelt sich der Absatz in ausgewählten Warengruppen? Wir aktualisieren die Daten zu ausgewählten Food-Kategorien jeden Mittwoch. Sie sind interessiert an der aktuellen Übersicht? Kontaktieren Sie uns gerne.