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Auf Empfang: Warum der Verzicht auf AM/FM-Radio für Autohersteller ein milliardenschweres Risiko darstellt

5 Minute lesen | Juli 2026

Das Armaturenbrett im Auto hat in den letzten Jahren ein digitales Facelifting erfahren – mit eleganten Touchscreens, Abonnement-Apps und fortschrittlicher Smartphone-Integration. Doch während die Automobilhersteller (OEMs) entscheiden, welche Funktionen sie beibehalten und welche sie zugunsten einer ansprechenden Optik streichen, stellt sich die Frage: Wird dabei der Klangkomfort geopfert? Mit anderen Worten: Ist das traditionelle AM/FM-Radio noch unverzichtbar?

Eine umfassende Studie zum Thema Autoradio, die Nielsen im Mai 2026 in Zusammenarbeit mit iHeart durchgeführt hat, liefert eine eindeutige Antwort: Radio ist nicht nur unverzichtbar, sondern auch eine der wertvollsten Unterhaltungsmöglichkeiten im Auto. Der Verzicht auf AM/FM-Radio in Fahrzeugen ist nicht nur eine unpopuläre Designentscheidung, sondern stellt auch eine direkte Gefahr für die Kundenbindung und letztlich für den Fahrzeugabsatz dar.

Der nationale Rundfunkverband (National Association of Broadcasters) schließt sich dieser Meinung an, und Abgeordnete beider Parteien drängen auf Drängen von Hunderttausenden Amerikanern auf die Verabschiedung eines Gesetzes, das den Einbau von AM-Radioempfängern als Standardausstattung in allen neuen Kraftfahrzeugen vorschreibt.

Unsere Daten verdeutlichen jedoch die Entschlossenheit der Verbraucher in allen demografischen Gruppen.

Die unbestreitbare Nachfrage: Ein „Must-Have“-Feature

Trotz der Vielzahl moderner Infotainment-Optionen zeigt die Studie unter mehr als 1.000 aktuellen und potenziellen Autokäufern, dass das herkömmliche Radio nach wie vor zur Grundausstattung gehört.

  • Der Ausschlussgrund: Etwa die Hälfte aller Befragten gab an, dass sie den Kauf eines Fahrzeugs, das kein AM/FM-Radio hat, rundweg ablehnen würden.
  • Erwartungen an die Grundausstattung: Mehr als 7 von 10 Verbrauchern betrachten das AM/FM-Radio als unverzichtbare Funktion, die in allen Neufahrzeugen zur serienmäßigen Grundausstattung gehören sollte. Damit wird seine wahrgenommene Bedeutung der Smartphone-Integration (Apple CarPlay/Android Auto) gleichgesetzt und liegt deutlich vor Satellitenradio oder integrierten Musik-Apps im Abonnement.
  • Dominanz in der Sendezeit: Was das tatsächliche Verhalten angeht, entscheiden Verbraucher mit dem Drehknopf. Laut der „Share of Ear“-Studie von Edison für das erste Quartal 2026 entfallen 55 % der gesamten Audio-Nutzungszeit im Auto auf das Radio. Auf Streaming entfallen 16 %, während YouTube, Podcasts, SXM sowie eigene Musik und Hörbücher die restlichen 29 % ausmachen.

Der wirtschaftliche Wert des Radios

Um über oberflächliche Präferenzen hinauszugehen, setzte Nielsen eine wahlbasierte Conjoint-Analyse (CBC) ein. Diese Untersuchung umfasste auch eine wahlbasierte Conjoint-Analyse (CBC) – eine im Automobilsektor weit verbreitete Methode, da sie reale Kaufentscheidungen widerspiegelt, indem sie die Verbraucher dazu zwingt, Kompromisse zwischen Ausstattungsmerkmalen und Preis einzugehen. Diese Analyse untermauerte die Ergebnisse der direkteren Umfragefragen und zeigt, dass Verbraucher bei ihren Fahrzeugkaufentscheidungen dem Vorhandensein eines AM/FM-Radios nach wie vor erhebliches Gewicht beimessen. Die nachstehende Rangliste ordnet Audio- und Infotainment-Funktionen nach ihrem Einfluss auf die Fahrzeugwahl der Befragten und zeigt, dass das AM/FM-Radio den zweithöchsten Einfluss hatte, direkt hinter der Smartphone-Integration. 

Die Gefahr für den Markenwert

Für Automobilhersteller erstreckt sich das Risiko, das AM/FM-Radio wegzulassen, über das Armaturenbrett hinaus bis hin zum Autohaus. Es kann sich darauf auswirken, wie die Verbraucher die Marke selbst wahrnehmen.

  • Marken-Bumerang: Etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass sie eine bestimmte Automarke sofort weniger positiv wahrnehmen würden, sollte ein Hersteller beschließen, das AM/FM-Radio vollständig aus seinem Angebot zu streichen.
  • Der Altersfaktor: Diese Markenerosion und Kaufverweigerung sind bei Käufern ab 55 Jahren deutlich stärker ausgeprägt, was für Marken, die auf treue, wiederkehrende Käufer angewiesen sind, eine enorme Hürde darstellt.

Mehr als nur Musik: Sicherheit, Sport und Gemeinschaft

Was könnte die anhaltende Treue zum AM/FM-Radio erklären? Viele Autofahrer schätzen die praktischen Vorteile, die Streaming-Apps nur schwer ebenso reibungslos bieten können. 

  • Sicherheit geht vor: 8 von 10 Befragten geben an, dass es wichtig ist, dass ihr Fahrzeug Benachrichtigungen des nationalen Notfallwarnsystems (Emergency Alert System) empfängt – eine der entscheidenden Stärken des Rundfunks. Interessanterweise wird dieser Sicherheitsaspekt von jüngeren Bevölkerungsgruppen (im Alter von 18 bis 54 Jahren) besonders geschätzt.
  • Null-Verzögerung bei Live-Sportübertragungen: Live-Sportergebnisse als Alleinstellungsmerkmal – zwei von drei Verbrauchern geben an, dass „Null-Verzögerung“ (d. h., dass die Übertragung nicht hinter dem Echtzeitgeschehen zurückbleibt) wichtig ist, wenn sie Sportveranstaltungen im Auto verfolgen. Diese Funktion von AM/FM wird insbesondere von männlichen Fahrern, jüngeren Zielgruppen sowie Besitzern von Hybrid- und Elektrofahrzeugen geschätzt.
  • Unkomplizierter Bezug zur Region: Mehr als drei von vier Käufern sind sich einig, dass AM/FM-Radio eine einfache, unkomplizierte Unterhaltungsmöglichkeit und eine zuverlässige „neutrale“ Wahl ist, wenn man mit Freunden und Familie unterwegs ist. Acht von zehn halten es zudem für wichtig, um auf Echtzeit-Verkehrsinformationen und lokale Nachrichten zuzugreifen. 

Der Leitfaden für ein ausgewogenes Dashboard

Autofahrer wünschen sich kein „Entweder-oder“-Armaturenbrett; sie wollen ein ausgewogenes Infotainment-Ökosystem mit Konnektivität und integrierten Funktionen. Die Studie zeigt, dass vier von zehn Autofahrern es als Priorität ansehen, ihr Smartphone (über Bluetooth oder CarPlay/Android Auto) anzuschließen, sobald sie ins Fahrzeug einsteigen, während ein Viertel der Befragten nach wie vor als allererste Handlung versucht, eine Verbindung zum AM/FM-Radio herzustellen.

Für Automobilhersteller, die ihre Marktanteile sichern und Fahrzeuge bauen möchten, die bei den Verbrauchern gut ankommen, ist die Schlussfolgerung aus den Daten von Nielsen für 2026 eindeutig: Innovationen sollten das Armaturenbrett bereichern, anstatt das wegzulassen, was Fahrer bereits schätzen. Die Beibehaltung des Standard-AM/FM-Radios im Fahrzeug dient nicht nur der Bewahrung von Traditionen. Sie kann auch dazu beitragen, den Markenwert und den Absatz zu sichern.

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